Aktuelles Projekt

Dunkelgold


eine Tanztheaterproduktion der Unicorn Light Performance Group

Premiere: 12. November 2009 im OFF-Theater, Wien



Konzept, Regie & Choreografie: Nadja Puttner
Musik: Chava Alberstein, Shyzomaniac, Yoko Kanno
Tanz: Susanne Brandstetter, Anja Bräutigam, Sarah Egger, Jonas Kägi,
Eva-Sophie Müller, Anna Possarnig, Nadja Puttner


Was, wenn sich Menschen von heute eines Tages in einer Welt ohne Zivilisation, ohne Konsummöglichkeiten, ohne Technisierung, ohne Medien - ohne alles, was unsere moderne Gesellschaft ausmacht - wiederfinden?
Ohne eine Möglichkeit zur Rückkehr ins gewohnte Leben. Nur auf sich selbst und das Menschsein an sich gestellt. Von allen Verpflichtungen entbunden und doch gefangen in einer scheinbar unerträglichen Situation: in der menschlichen Natur, im Bewusstsein des eigenen Selbst.



Idee:


Davon ausgehend, dass der moderne Mensch von einer Entfremdung zu sich selbst, seinen Handlungen und zu seiner Umwelt geprägt ist, "ein passiver Empfänger von Eindrücken, Gedanken und Meinungen" (Erich Fromm), muss das Herausgerissenwerden aus der gewohnter zivilisierten Umgebung eine Rückbesinnung auf Grundsätzliches bewirken.

Die Menschen müssen sich - aller medialen und gesellschaftlichen Ablenkungen beraubt - ihrer selbst bewusst werden und sich mit ihren seelischen Grundbedürfnissen auseinandersetzen. Es geht zuerst um das Ich , dann um die Beziehung zu den anderen, um Geben und Nehmen, um Liebe und Hass, um Schöpfung und Zerstörung, um Freude und Trauer, um Glaube und verlorene Hoffnung.

Hauptantrieb ist die Sehnsucht nach neuen Wurzeln, nach Sicherheit, Wärme und Geborgenheit.

Inhalt:

Eine Gruppe von Menschen, zufällig ausgewählt und zufällig ins Nirgendwo geworfen. Fern von jeder Zivilisation. Heimatlos, gestrandet an einem archaisch anmutenden Ort.

In dieser unbegreiflichen Situation, sieht sich jeder von ihnen einer Gruppe von völlig Fremden gegenüber, die neugierig zu starren scheinen. Eine nie zuvor erlebte Urangst steigt auf und hüllt alles ein wie eiskalter Nebel. 

Da kein Mensch für immer in Bewegungslosigkeit verharren kann, sehen sich die Personen gezwungen, sich mit der neuen Lebenssituation, mit den anderen Anwesenden und vor allem mit sich selbst auseinander zu setzen.

Die in unserer Gesellschaft so weit verbreitete Gleichgültigkeit gegenüber den Mitmenschen funktioniert hier nicht.

Aus den beziehungslosen Fremden entsteht eine Gruppe, es bilden sich Zu- und Abneigungen, aus Oberflächlichkeit  entwickeln sich Emotionen, aus verängstigten Tieren werden Charaktere. Das Bedürfnis zu vertrauen kämpft gegen das ständige Misstrauen. Jeder ist sich selbst der nächste - und doch auf die anderen angewiesen.

„Dunkelgold“ ist eine tänzerische Auseinandersetzung mit der menschlichen Seele, die mit großer Sensibilität das Lebensgefühl zeitgenössischer Menschen und die elementaren Bedürfnisse unsere Gesellschaft reflektiert.

Die Inspiration für dieses Szenario war  Chava Alberstein’s Album „The Well“, in dem die jüdische Sängerin und Musikerin Gedichte jiddischer Dichter des 20. Jahrhunderts vertont hat,  sowie Texte von Erich Fromm, u.a. Credo eines Humanisten.